„So dichten Nebel habe ich noch nie in meinem Leben gesehen, ich sehe kaum noch meine eigene Pfoten“, sagte Moke. Den Weg kannten sie so gut, dass sie trotz der grauen Nebelschwaden, die gespenstisch durch den Wald zogen, trittsicher den Pfad entlang gingen. „Irgendwie habe ich ein mulmiges Gefühl“, brummte Mikabos.
Kaum hatte Mikabos dies ausgesprochen, stolperte Moke über etwas und landete auf allen vier Pfoten. „Du Tollpatsch!“ schimpfte Mikabos, „du weißt doch, dass du immer den Pfad entlang gehen sollst“ und reichte ihm seinen Gehstock. Moke griff danach, richtete sich auf und streifte dabei die an seiner knielangen grünen Hose hängen gebliebenen Blätter ab. „Über was bist du gestolpert, mein Junge?!“ fragte Mikabos ihn schon viel versöhnlicher und stocherte mit seinem langen, aus Weiden gedrehten Stock durch das hohe Gras und blieb an etwas Undefinierbarem hängen. „Moke! Da ist etwas!“ rief Mikabos. Beide beugten sich vor, um die Stolperfalle genauer in Augenschein zu nehmen. Mikabos rückte seine Brille zurecht und sagte ganz leise, fast flüsternd: „Moke, das ist ein Mensch. In meinen 230 Jahren habe ich noch keinen Menschen so nah bei unserem Reich gesehen“, und blickte sich unsicher um, doch außer den Umrissen von Bäumen und Sträuchern, die man schemenhaft durch den Nebel sah, konnte er nichts Ungewöhnliches erkennen.
"Lebt er denn noch, Meister Mikabos?“ fragte Moke besorgt. „Ich höre nur leisen Atem“, erwiderte Mikabos. Beide starrten auf die Gestalt, die mit einer braunen Kutte und Ledersandalen bekleidet war. "Wir müssen ihm helfen“, dabei konnte man in seinen Augen Furcht erkennen, die sich auf Moke übertrug. „Meister, du hast doch schon immer gelehrt, dass wir uns von Menschen fern halten sollen“, meinte Moke. |
|
„Tu was ich dir sage“, antwortete Mikabos hörbar gereizt, „wir nehmen ihn mit zu uns ins Reich, nur dort habe ich Medizin, die ihn wieder auf die Beine bringt.“ Moke nickte schweigend mit dem Kopf.
Plötzlich spürte der junge Mann einen Schatten über seinem Körper und hörte seltsame Stimmen. Starke Kopfschmerzen plagten ihn schon im ersten Augenblick seines Erwachens. Er konnte sich nicht bewegen, aber er schaffte es seine Augen langsam zu öffnen, und als er das tat, sah er wie durch eine Milchglasscheibe eine Kreatur auf zwei Beinen, deren Kopf dem einer Katze sehr ähnelte. Sie war groß und nicht gerade schlank, trug eine runde goldene Brille mit dicken Gläsern auf der Nase und besaß einen langen Umhang aus glänzender nachtblauer Seide, der bis zum Boden reichte. Das Wesen hatte ein auffallend rotes Hemd mit weit geschnittenen, zum Teil gebauschten Ärmeln und einem großen schwarzen Kragen an, der mit feinen Rüschen besetzt war. Den Saum der geschmeidigen schwarzen Samthose schmückten kostbare Spitzen. Wie aus dem Nichts trat die zweite Figur mit geschmeidigem katzenartigem Gang hervor, ihre Augen leuchteten grün wie Smaragde. Ihre Kleidung bestand aus einer knielangen, enggeschnittenen, dunkelgrünen Hose und einem weißen Leinenhemd, darüber trug sie eine leichte graue Jacke mit großen bunten Holzknöpfen.
Der auf dem Boden liegende junge Mann spürte in diesem Moment wie das Gefühl der Benommenheit wieder zunahm, seine Wahrnehmung wurde immer trüber und er fiel in die Ohnmacht zurück.
|